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Entsorgung und Verwertung
Differenzierung macht den Unterschied |
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Unternehmen Weima, ein Marktführer im Bereich der Zerkleinerungs- und
Brikettiertechnik – mit Sitz in Ilsfeld – begonnen, sich neu zu strukturieren,
um im Wettbewerb noch besser bestehen zu können. Ein Interview mit dem neuen
geschäftsführenden Gesellschafter Martin Friz. – Von Carsten Bucki Interview
Fachzeitschrift HOB 4-2006, Seite 58 bis 60
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Herr Friz, Sie sind Ende
2003 als Gesellschafter in die Geschäftsführung von Weima eingetreten. Welche
Erfahrungen bringen Sie mit und welche Ausgangslage fanden Sie vor?
Bevor ich hier nach Ilsfeld kam, war ich fast 15 Jahre im Ausland, vornehmlich
in England, für ein Unternehmen im Bereich Firmenstrategie und
Unternehmensplanung tätig. Ich fand hier einen losen Verbund von mehreren
separat aufgestellten Unternehmen vor, die sehr interessante Produkte hatten,
über 20 Jahre erfolgreich gewachsen waren, aber unterschiedliche Strukturen
aufwiesen.
Als Konzernstratege sind Sie angetreten, das Unternehmen zukunftssicher
auszurichten und weiter zu entwickeln. Welche Strategie verfolgen Sie dabei?
Uns war klar, dass – wenn der Wachstumsprozess so weiter geht – der
Firmenverbund eine strukturelle Neuausrichtung benötigen würde. Unser Ziel war
daher, die Aktivitäten der Einzelunternehmen in einer stramm organisierten
Gruppe zu bündeln, um die Gruppe so strategisch neu aufzustellen. Dazu haben wir
die Dachorganisation Weima Group GmbH & Co. KG gegründet und allmählich alle
Einzelaktivitäten der insgesamt acht juristischen Gesellschaften unter dem
gemeinsamen Dach der Holding zusammengeführt und auf einen einheitlichen
Standard im Bereich Reporting, EDV, interne Abläufe etc. gebracht.
Wie ist das Produktionsprogramm des Unternehmens heute strukturiert und welche
Bereiche tragen am stärksten zum Gesamtumsatz bei?
Weima hat eine klare strategische Ausrichtung: Im Produktprogramm gibt es eine
historisch bedingte Zweiteilung in die Zerkleinerungstechnik und die
Brikettierung.
In der Zerkleinerungstechnik spielt traditionell der Werkstoff Holz eine
bedeutende Rolle, doch seit 15 Jahren zunehmend auch der Bereich Kunststoffe.
Aus dem Kunststoffsektor heraus hat sich seit fünf Jahren ein weiteres
vollkommen neues Segment entwickelt – das der Ersatzbrennstoffe, in dem es um
die Zerkleinerung von hoch kalorischen Reststoffen geht. Um Schwankungen am
Markt ausgleichen zu können, sollen diese drei Bereiche auch zukünftig
größenmäßig gut zusammenpassen und zu je einem Drittel zum Gesamtumsatz
beitragen. Wir haben in 2005 in beiden Bereichen – Zerkleinerungstechnik und
Brikettierung – klare Steigerungsraten erzielt und können momentan auf
zweistellige Wachstumszahlen sowohl im Umsatz als auch im Ertrag verweisen.
Im Bereich der Zerkleinerungstechnik fühlt sich Weima in fast sämtlichen
Materialbereichen ‚zu Hause’. Woher nehmen Sie das dazu nötige Know-how?
Wir beschäftigen uns seit über 25 Jahren mit dem Thema Zerkleinerungstechnik und
verfügen mit über 20.000 verkauften Maschinen über einen großen
Erfahrungsschatz. Wir reagieren in der Regel auf Kundenwünsche. Ist im
Zweifelsfall eine Standardlösung nicht praktikabel, laden wir unsere Kunden dazu
ein, Tranchen ihres Materials in unserem voll ausgestatteten Technikum mit 10-15
Standardmaschinen versuchstechnisch zu zerkleinern, um zu sehen, was passiert.
Aufgrund unserer Erfahrung können wir dann aus den Versuchsergebnissen ganz
spezielle Lösungen für die Kunden ableiten.
Wegen der steigenden Brennstoffpreise besinnen sich viele Bürger wieder auf den
Brennstoff Holz. Glauben Sie diesbezüglich an eine nachhaltige Entwicklung?
Ja, absolut! Es gibt derzeit diverse parallel laufende Entwicklungen und der
Brennstoff Holz erfährt – gerade auch in Deutschland – fast schon wieder eine
Renaissance. Dies hat sich bei uns 2005 auch in einer deutlichen
Absatzsteigerung, sowohl in der Zerkleinerungstechnik als auch in der
Brikettierung, niedergeschlagen. Es hieß immer: Wenn der Preis für ein Barrel Öl
die Marke von 50 Dollar dauerhaft überspringt, so werde sich so gut wie jedes
alternative Energiegewinnungskonzept rechnen. Nun, diese Marke haben wir bereits
seit einiger Zeit übersprungen und es ist abzusehen, dass die Preisentwicklung
weiter nach oben gehen wird, und nachwachsende Ressourcen immer wichtiger
werden. Ich sehe daher in dieser Entwicklung für uns sowohl für die
Zerkleinerungstechnik als auch für die Brikettierung einen klaren
Wachstumsmarkt.
Seit 2003 schickt sich Weima an, die südostasiatische Region zu erschließen.
Welche Rolle spielen diese Märkte heute für Sie?
Asien, insbesondere China ist für uns ein guter aber auch schwieriger
Exportmarkt, weil wir als deutscher Anbieter natürlich vergleichsweise teuer
sind. Auch sehen wir uns zunehmend dem Konkurrenzdruck im Bereich der ganz
billigen Maschinen aus dieser Region ausgesetzt, weil chinesische Anbieter
zunehmend versuchen, ihre Maschinen weltweit zu vermarkten. Bei Kunden, die
ausschließlich über den Preis argumentieren und nicht danach sehen, ob die
Lösung nachhaltig funktioniert, habe ich als Premium Anbieter natürlich einen
hohen Argumentationsbedarf.
Was tun Sie, um dennoch wettbewerbsfähig zu bleiben?
Ein Weg ist die Optimierung. In den vergangen zwei Jahren haben wir uns ganz
massiv mit unserer Fertigung, Planung und Konzeption unserer Technik auseinander
gesetzt, um zu noch besseren Lösungen zu kommen. Ein anderer Weg ist, sich zu
differenzieren. Wir positionieren uns deshalb ausdrücklich im hochwertigen
Bereich zum Beispiel im Bereich der integrierten Sonderlösungen für komplexe
Situationen in größeren Fertigungsanlagen. Hier können wir die entsprechende
Kompetenz und angepasste Konzepte und den dazugehörigen Service bieten. Wir
setzen unserem Kunden gegenüber darauf, dass wir für ihn die jeweils passende
Lösung für seinen speziellen Anwendungsfall haben, ihm den Service vor Ort
bieten und als verlässliche Partner auch in Zukunft an seiner Seite stehen und
Ersatzteile liefern können.
Wie bewerten Sie den Prozess der Verlagerung von Produktionsstätten aus
Deutschland ins vermeintlich billigere Ausland?
Ich halte diesen Ansatz für problematisch. Wir sind seit drei Jahren dazu
übergegangen, uns die Fertigungstiefe wieder zurück nach Deutschland zu holen,
weil wir festgestellt haben, dass uns das Auslagern in Teilen sogar teuerer
kommt. Je weiter ich da mit der verlängerten Werkbank ins Ausland,
beispielsweise nach China gehe, desto mehr muss ich an Lagerkapazität vorhalten,
um auf Kundenwünsche reagieren zu können. Dadurch habe ich eine höhere
Kapitalbindung, eine extrem reduzierte Flexibilität – bedingt durch die
Transportproblematik -und ich habe weniger Einfluss auf die Qualität, die dort
produziert wird. Und wenn wir uns gerade den Bereich des hochwertigen
Maschinenbaus ansehen und Äpfel mit Äpfel vergleichen, sieht die Welt
rechnerisch ganz anders aus. Wenn ich gleichwertige Qualität im Bereich der
Rohstoffe und Zulieferteile verbaue, so ist diese in China nicht signifikant
billiger als hier. Eine Tonne hochwertiger
Stahl ist dort nicht viel preisgünstiger zu haben als hier; eine gute Steuerung
kostet dort im Zweifel sogar einige Cent mehr. Auch im Bereich der mechanischen
Bauteile kann dort nicht viel billiger produziert werden als in Europa. D. h.,
wenn ich die Komponentenrechnung ansehe, liegen wir gar nicht so
weit auseinander. Wir produzieren heute unsere Maschinen zu 100% entweder in
Deutschland oder in Österreich. Wir sind sogar dabei, unsere Fertigungstiefe
noch zu erhöhen, um unseren hohen Qualitätsstandard sicher zu stellen und zu
verbessern. Denn das ist für uns ein wesentliches Verkaufsargument.
Die Politik klagt über zu wenig Ausbildungsplätze in der Wirtschaft. Was tut
Weima in der Ausbildung des Nachwuchses?
Wir bilden aus und haben jetzt gruppenweit im technischen Bereich 15 und im
kaufmännischen Bereich fünf Auszubildende, was bei einer Gesamtbelegschaft von
200 Mitarbeitern eine durchaus beachtliche Quote ist. Wir tun dies, um
mittelfristig auch gute Leute zu haben, die paradoxerweise zunehmend schwerer
auf dem regulären Arbeitsmarkt zu finden sind.
Welche Bedeutung haben im Zuge der Osterweiterung der EU die osteuropäischen
Märkte für Sie?
Historisch hatten diese Märkte für uns schon immer große Bedeutung. Wir haben
heute insgesamt einen Exportanteil von 80 Prozent und stehen der Öffnung der
osteuropäischen Märkte sehr positiv gegenüber, was sich auch in den letzten
Jahren in den Verkaufszahlen niedergeschlagen hat. Gerade in den Ländern
Russland, Ukraine oder Polen sehen wir für den Bereich Holz sehr gute
Marktchancen für unsere Produkte. Diese Staaten wollen zunehmend nicht mehr nur
ihre Rohstoffe exportieren, sondern ihre Wertschöpfungsketten erhöhen. Dort gibt
es eine wachsende Holz verarbeitende Industrie und wir können von Jahr zu Jahr
mehr Maschinen dorthin verkaufen. Wir tragen dieser Entwicklung Rechnung und
haben unseren Vertrieb aufgestockt. Unser Vertriebsteam spricht über 20
Sprachen, was bei unseren Kunden sehr gut ankommt.
Wo sehen Sie für sich die Märkte der Zukunft?
Zukunftsmärkte liegen in den Wachstumsregionen Asiens und Osteuropas, aber auch
verhalten in Südamerika und nach wie vor in den USA. Die Märkte im ‚alten’
Europa sind Entsorgung und Verwertung stabil und verzeichnen leichte
Zuwachsraten. Die Talsohle ist durchschritten und Unternehmen, die heute noch da
sind, trauen sich auch wieder zu investieren, denn es gibt einen enormen
Erneuerungsbedarf beim vorhandenen Maschinenpark.
Wie bewerten Sie den heimischen Markt?
In Deutschland sehen wir, dass die Schere zwischen den ehemals durchschnittlich
erfolgreichen Unternehmen und der ‚Meisterklasse’ mit hoher Exportkompetenz und
Qualität weiter auseinander geht. Während die global aufgestellte Meisterklasse
Gas gibt, Erfolg hat und auch Arbeitsstellen schafft, werden die
durchschnittlichen Anbieter in Zukunft weiter am Markt verlieren. Deshalb, so
glaube ich, werden in Deutschland mittelfristig eher noch mehr Arbeitsplätze
verloren gehen, als neue hinzukommen. Erschwerend wirkt sich aus, dass der von
der deutschen Politik allenthalben beschworene Bürokratieabbau nicht wirklich
vorankommt – im Gegenteil, der bürokratische Aufwand in den Unternehmen wächst –
wodurch die innovativen Marktkräfte eher behindert als gestärkt werden.
Daneben ist in Deutschland – was die Abläufe, die Flexibilität, die Ausbildung
anbelangt – vergleichsweise vieles verkrustet. Dagegen ist im angelsächsischen
Raum die Atmosphäre einfach offener, die Arbeitsmärkte sind flexibler und das
gibt Kreativität – da müssen wir hier noch viel lernen. Die Banken, auf die
immer geschimpft worden ist, trifft heute keine Schuld mehr. Mit Basel II
beispielsweise wird auf Grundlage eines objektiven Ratings zum ersten Mal
wirklich differenziert. D. h., die, die gut gearbeitet, sauber bilanziert und
sich nicht künstlich arm gerechnet haben, die also eine gute Historie haben,
kommen leichter an vernünftige Finanzmittel heran. Der Zins und die Konditionen
werden dem dahinter stehenden Risiko angepasst – was nur fair ist.
Vielen Dank für das Gespräch.
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| © WEIMA Maschinenbau GmbH · Juli 2008 |
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